Litterärisches Gespräch - Dagny Juel – Autorin, Pianistin, Modell, Bohémienne
Ein Vortrag von Barbara und Stefan Weidle (Bonn) und Gönna Jensen (Behnhaus Lübeck)
Dagny Juel (1867-1901) hat die Künstlerszene des ausklingenden 19. Jahrhunderts in Norwegen und Deutschland maßgeblich beeinflusst - wenn auch mehr durch ihre Persönlichkeit als durch ihr Werk. Die Norwegerin unterhielt enge Beziehungen zu Künstlern wie August Strindberg, der ihretwegen eine psychiatrische Klinik aufsuchen musste und sie mit gnadenlosem Hass verfolgte, und Edvard Munch (dem sie mehrfach Modell stand, etwa für seine »Madonna«); geheiratet hat sie schließlich den Schriftsteller, Trinker und Satanisten Stanisław Przybyszewski, der ihr Untergang wurde. Sie gilt aufgrund ihrer zahlreichen Liebesaffären und ihres ausschweifenden Lebensstils als »Femme fatale«, doch hat man es sich mit dieser Charakterisierung viel zu leicht gemacht.
Barbara und Stefan Weidle stellen Dagny Juel aus mehreren Perspektiven vor, einmal durch ihr literarisches Werk und einen Essay dazu von Lars Brandt, dann als Romanfigur in Zurab Karumidzes »Dagny oder Ein Fest der Liebe« und als Gegenstand einer biographischen Nachforschung in Kristin Vallas »Die Schüsse von Tiflis«.
Gönna Jensen, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Behnhaus Lübeck, führt an ausgewählten Werken Edvard Munchs in den Abend zu Dagny Juel ein.